»Zeit«-Redakteur Bernd Ulrich, der sich wie kein zweiter dort mit der Klimakatastrophe und dem Artensterben auseinander gesetzt hat, verzweifelte Ende 2025. Er begründete im Dezember, warum der Satz „Die Menschheit hat beschlossen, ungebremst in die ökologische Katastrophe zu gehen“, der ihn jahrelang verfolgte und dem er jahrelang widersprochen habe, eben doch richtig sei.
Er begründete es für jeden einzelnen seiner Teile: „Die Menschheit…“ – „…hat beschlossen…“ – „…ungebremst…“ – „in die ökologische Katastrophe zu gehen“.
Die Begründung der Formulierung „die Menschheit“ fiel dabei eher schwach aus – Ulrich schränkte sie selber ein: „Wobei Menschheit natürlich nicht heißen kann: alle. Und nicht: alle gleichermaßen“. Ich plädiere vor allem aus taktischen Gründen dafür, stets bestimmte Teile der Menschheit als Schuldige zu benennen, zum Beispiel das fossile Imperium einschließlich seiner Unterstützer und Nutznießerinnen. Weil wir uns sonst selber jede Energie rauben, den Weg einiger Machthaber und ihrer Anhängerinnen in Zerstörung und Selbstzerstörung zu stoppen und die Machthaber (es sind nun mal fast ausschließlich Männer) zu entmachten.
Ulrich erkannte dabei einen engen, auch kausalen Zusammenhang zwischen dem Siegeszug des fossilen Imperiums und dem Siegeszug nationalkonservativer und faschistischer Parteien. Ich selbst habe letzteren bislang als Rachefeldzug einer Arbeiteraristokratie, zum Beispiel von Automobilarbeitern gedeutet, die dabei waren, ihre gewohnten Privilegien zu verlieren. Ulrich ergänzte den plausiblen Gedanken: Die systematische Selbstverrohung, die mit dem Siegeszug der Rechtsparteien einhergeht, dient offenbar dazu, das humanistische Selbstbild, die Normen der Mitmenschlichkeit, die es in allen Kulturen und Religionen bislang gab, zu zerstören, da sie im Widerspruch zum Selbstzerstörungsbeschluss des fossilen Imperiums stehen. Also: Zuerst zerstören die Faschisten die Menschenrechte, dann zerstören ihre Auftraggeber in den Öl‑, Gas‑, Chemie‑, Beton- und Autokonzernen den Rest der Menschheit und große Teile des Lebens auf der Erde – in der Hoffnung, dass eine kleine Elite bewaffneter Pick-up-Fahrer übrig bleibt und wieder von vorne anfangen kann. Das ist ihr Plan.
Einwände
Apokalyptische Prognosen sind immer fragwürdig; das habe ich in dem Beitrag Das Ende ist nah – Und wehe, wenn nicht! ausgeführt. “Zeit”-Journalistin Petra Pinzler sieht das offenbar ähnlich und hat eine Woche später in ihrem Beitrag “Lob der kleinen Schritte” die Position vertreten, dass wir uns von großen Gemälden in Schwarz nicht davon abbringen lassen sollten, weiterhin Schritt für Schritt das mutmaßlich Richtige zu tun und die vielen Erfolge zu feiern.
