Wie ein wütendes Kind, das ein Spielzeug verloren hat, jammert und schreit die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg: „Katastrophe! Oh Staat, so hilf uns doch, die Wirtschaft geht unter.“ Denn die Bonner Nordbrücke ist kaputt und musste für den Verkehr gesperrt werden. Es mag viele Mitschuldige am Zustand der Bonner Nordbrücke geben, aber unter ihnen ragt einer als Hauptschuldiger heraus: Das sind die Industrie- und Handelskammern (IHK).
Wer ist schuld an kaputten Brücken? weiterlesenAutor: Jens J. Korff
Irrtum eines Zynikers
Auf der griechischen Insel Nisyros lasen Uta und ich den Kriminalroman »Das Dorf in den roten Wäldern« der kanadischen Autorin Louise Penny, erschienen 2005. Er spielt in einem einsam gelegenen Dorf im Süden der kanadischen Provinz Québec, in dem anglo- und frankophone Kanadier in munterer Mischung zusammenleben. In Kapitel 1 wird ein „vorgezogener Thanksgiving-Abend“ beschrieben, in dem acht befreundete Nachbarinnen und Nachbarn, darunter das spätere Mordopfer und der spätere Mörder, zusammenkommen. Dabei diskutieren sie unter anderem über einen Spruch des Schriftstellers Oscar Wilde, der das Gewissen der Menschen auf ihre Feigheit zurückführt: Nur aus Angst, erwischt und verfolgt zu werden, schreckten die meisten Menschen davor zurück, Gewalttaten zu begehen. Die Runde diskutiert, ob das auf jede und jeden von ihnen zutreffe, mit überwiegend bejahender Tendenz.
Ich widersprach beim Lesen spontan. Ich war mir sicher, dass Wilde sich hier geirrt hat oder sogar sein Publikum in die Irre führen wollte. Angenommen, es ist so – worin läge der Irrtum seiner Konstruktion, und was macht den Irrtum so attraktiv, dass die Autorin und ihre Figuren ihn übernahmen?
Irrtum eines Zynikers weiterlesenDer destruktive Komplex
Um die Ohren fliegen uns Trump und Le Pen, Musk und Weidel, Trump und Putin, Öltanker und Marsraketen. Zum Jahresende 2025 mache ich einen Vorschlag dafür, wie das alles zusammenhängen könnte. Inklusive Ausweg.
Der destruktive Komplex weiterlesenUngebremst in die ökologische Katastrophe
»Zeit«-Redakteur Bernd Ulrich, der sich wie kein zweiter dort mit der Klimakatastrophe und dem Artensterben auseinander gesetzt hat, verzweifelte Ende 2025. Er begründete im Dezember, warum der Satz „Die Menschheit hat beschlossen, ungebremst in die ökologische Katastrophe zu gehen“, der ihn jahrelang verfolgte und dem er jahrelang widersprochen habe, eben doch richtig sei.
Ungebremst in die ökologische Katastrophe weiterlesenDie direkte Diktatur des fossilen Imperiums in Usa
Der usamische Präsident Donald Dump the Chump Trump nahm gleich mit Beginn seiner zweiten Amtszeit mit mehreren Dekreten den offenen Kampf gegen den Klimaschutz und gegen erneuerbare Energiequellen auf, um den usamischen Öl- und Gaskonzernen die staatlich gestützte Monopolstellung zurückzugeben, die sie Jahrzehnte früher besessen hatte. Widerstand wurde und wird gewaltsam unterdrückt.
Die direkte Diktatur des fossilen Imperiums in Usa weiterlesen“Warum wollen so viele die Welt brennen sehen?”
Mit dieser Headline bewarb der Suhrkamp Verlag November 2025 das Buch »Zerstörungslust – Elemente des demokratischen Faschismus« der Soziologinnen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey. Nachtwey stellte es Oktober 2025 bei einer Veranstaltung der Linken (SDS) Aachen vor.
“Warum wollen so viele die Welt brennen sehen?” weiterlesenDer deutsche Autohandel im Niedergang?
Angeblich befand sich die deutsche Wirtschaft Ende 2025 im Niedergang. Woran lag‘s?
Eine Antwort finde ich in einem Bericht in der »Neuen Westfälischen« über die Krise des Autohandels in Ostwestfalen.[1] Dramatisch ist sie nicht, aber peu à peu machen kleinere Autohändler dicht. Die Autohändlerin Birgit Schnieder aus Herford nannte u. a. zwei Gründe:
Der deutsche Autohandel im Niedergang? weiterlesenDeutscher Abgas- und Güllefaschismus
Ab 1933 verwendeten die sowjetischen und europäischen Kommunisten, soweit sie der Linie der Kommunistischen Internationale (KI) folgten, eine Definition des Faschismus, die dem bulgarischen Kommunisten und KI-Chef Georgi Dimitrov zugeschrieben wird: „Faschismus ist die offen terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Teile des Finanzkapitals.“ Später, vor allem nach 1990, galt diese Definition oft als Musterbeispiel für eine grob-ideologische Vereinfachung und Verzerrung der Realität.
Derweil lese ich einen Brief von Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe.[1] Resch berichtet darin, dass sich im Facebook-Forum »Stoppt die Deutsche Umwelthilfe« seit 2019 rund 50.000 Personen regelmäßig zur Hetzjagd auf Resch und auf die DUH verabreden. Sie ermuntern dort einander mit Sprüchen wie „Resch kann weg. Braucht kein Mensch“, „Jetzt ist das Volk dran, um diese Korrupten zur Strecke zu bringen“ oder „Wo ist ein Sniper, wenn man mal einen braucht“. Gegründet wurde die Plattform nach Reschs Angaben von einem führenden Manager der deutschen Autoindustrie, der sie weiterhin als Administrator organisiert.
Deutscher Abgas- und Güllefaschismus weiterlesenAfD verbieten? Ein inneres Streitgespräch
Es diskutieren zwei meiner inneren Stimmen: Georg der Antifaschist und Carl der Pazifist.
Georg: Stimmt es, Carl, dass du gar nicht für ein AfD-Verbot bist?
Carl: Ja, das stimmt. Ich halte ein Verbot dieser Partei für eine schlechte Idee.
Georg: Wie kommst du denn da drauf? Bist du unter die Naziflüsterer gegangen?
AfD verbieten? Ein inneres Streitgespräch weiterlesenChampagner für die Deserteure!
Gegen Aggressoren helfen nur die besseren Waffen?
Seit über drei Jahren erleben wir in der Ukraine, wie dieses Bastadogma der Militaristen Tag für Tag absurder wird. Nein, die vielen Waffen dort helfen offensichtlich nicht, den Krieg zu beenden. Und viele Tausend Menschen erleben es nicht, weil sie dabei elend gestorben sind. Ich habe einen anderen Vorschlag:
- Wir nehmen ein Zehntel des Geldes, das die NATO für Waffen und Munition für die Ukraine ausgibt, und verwenden es, um eine Infrastruktur aufzubauen, die russischen Deserteuren und Kriegsdienstflüchtlingen systematisch hilft.
- Wir sorgen dafür, dass die nach Kasachstan, Georgien, Armenien, Belarus und in die Türkei geflüchteten Deserteure und Kriegsdienstflüchtlinge sichere Aufenthaltsorte in Europa, Nordamerika, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland bekommen.
- Finnland und Polen öffnen ihre Grenzen für russische Deserteure und Kriegsdienstflüchtlinge. Sie werden nach ihrer Flucht weiter weg in Sicherheit gebracht.
- Unsere Geheimdienste machen sich nützlich, helfen den Flüchtlingen, sich an ihren meuen Wohnorten zu tarnen, und enttarnen russische Agenten, die sich darunter mischen wollen.
- Wir retten mit eigenen Hubschraubern usw. russische Deserteure direkt aus den Kampfgebieten.
- Wir belohnen alle geretteten Deserteure und Kriegsdienstflüchtlinge mit einer Wohnung und einem anständigen Gehalt. Viele davon sind begehrte Fachkräfte.
- Wir machen diese Maßnahmen in Russland publik.
Ich wage die Prognose: Sobald diese Maßnahmen einen deutlichen Zug entwickeln und viele russische Soldaten und Leute, die von einer Einberufung bedroht sind, anziehen, werden die russischen Generäle ihre Kriegshandlungen einstellen müssen, um die Kontrolle über ihre Soldaten zu behalten. Mit Soldaten, die man in Kasernen beisammen hält, kann man keinen Krieg mehr führen. Dies wird Putin zwingen, den Krieg zu beenden und der Ukraine einen akzeptablen Friedensschluss anzubieten.
Leicht abgewandelt als Flugblatt auf dem Bielefelder Ostermarsch am 19. April 2025 verteilt
