Deutscher Abgas- und Güllefaschismus

Ab 1933 verwen­deten die sowje­ti­schen und europäi­schen Kommu­nisten, soweit sie der Linie der Kommu­nis­ti­schen Inter­na­tio­nale (KI) folgten, eine Defini­tion des Faschismus, die dem bulga­ri­schen Kommu­nisten und KI-Chef Georgi Dimitrov zugeschrieben wird: „Faschismus ist die offen terro­ris­ti­sche Diktatur der am meisten reaktio­nären, am meisten chauvi­nis­ti­schen, am meisten imperia­lis­ti­schen Teile des Finanz­ka­pi­tals.“ Später, vor allem nach 1990, galt diese Defini­tion oft als Muster­bei­spiel für eine grob-ideolo­gi­sche Verein­fa­chung und Verzer­rung der Realität.

Derweil lese ich einen Brief von Jürgen Resch, Geschäfts­führer der Deutschen Umwelt­hilfe.[1] Resch berichtet darin, dass sich im Facebook-Forum »Stoppt die Deutsche Umwelt­hilfe« seit 2019 rund 50.000 Personen regel­mäßig zur Hetzjagd auf Resch und auf die DUH verab­reden. Sie ermun­tern dort einander mit Sprüchen wie „Resch kann weg. Braucht kein Mensch“, „Jetzt ist das Volk dran, um diese Korrupten zur Strecke zu bringen“ oder „Wo ist ein Sniper, wenn man mal einen braucht“. Gegründet wurde die Platt­form nach Reschs Angaben von einem führenden Manager der deutschen Autoin­dus­trie, der sie weiterhin als Adminis­trator organi­siert.

Deutscher Abgas- und Gülle­fa­schismus weiter­lesen

Hochwasser hat es auch früher gegeben? 2024 gab es sie 16 Mal so häufig.

ARD-Metero­loge Karsten Schwenke zerfetzte in seinem Jahres­rück­blick auf die Wetter­ex­treme des Jahres 2024 die beliebte Ausrede der Beton­köpfe und Suvisten und ihrer Parteien CDU/​CSU und AfD: Ein Jahr der Hochwas­ser­ka­ta­stro­phen, eine der schlimmsten war in Valencia. Dort fielen 772 l Regen pro m²; das war dreimal so viel wie bei früheren Hochwas­ser­er­eig­nissen. Das IST die Klima­ka­ta­strophe und nichts anderes. In Mittel­eu­ropa gab es 2024 vier große Hochwässer. In den 1990er Jahren war es ca. eines in vier Jahren. Das ist der Unter­schied zwischen Wetter und Klima­ka­ta­strophe: 16 Mal häufiger Überschwem­mungen. Die Hitze­re­korde steigen auch in Deutsch­land drama­tisch schnell an, viel schneller als in den IPCC-Berichten prognos­ti­ziert. Ab 2040 müssen wir mit Sommer­tagen von 46 °C rechnen. Den berühmtem deutschen Wald hat es schon 2018–20 großflä­chig umgehauen. Um so größer die Gefahr von Überschwem­mungen in den Tälern und Erdrut­schen an den Hängen. Ich hoffe nur, dass die Hochwässer als erstes alle überschweren Suvs und Pick-ups versenken.

Foto Korff: Juli 2021 setzte die Inde die komplette Innen­stadt von Eschweiler unter Wasser.

Der Phantombesitz der Forstwirte

Der Bürger­ent­scheid für einen Natio­nal­park Eggege­birge ging im Juni 2024 in den beiden Kreisen Pader­born und Höxter für die Freunde der Wildnis verloren (mit 45:55 in Pader­born und 34:66 in Höxter). Ein Blick auf die Einzel­er­geb­nisse der Kommunen und eine philo­so­phi­sche Nachbe­trach­tung mit Hilfe der Katego­rien “Bleibe­frei­heit” und “Phantom­be­sitz” der Philo­so­phin Eva von Redecker.

Der Phantom­be­sitz der Forst­wirte weiter­lesen

Die Wildnis und das Konservative

In der Kontro­verse um einen Natio­nal­park Eggege­birge äußerten ostwest­fä­li­sche Natur­schüt­ze­rinnen und ‑schützer im Mai 2024 die Hoffnung, konser­va­tive Wähle­rinnen und Wähler von ihrer Gegner­schaft zum Natio­nal­park abbringen zu können. Warum diese Hoffnung wahrschein­lich verschwendet ist und die Anhänger der Wildnis in die Irre führt, will ich hier ausführen.

Die Wildnis und das Konser­va­tive weiter­lesen

Wenn Antikapitalisten gegen Habeck und den Klimaschutz zu Felde ziehen

Der rötlich schil­lernde (und dem Autor persön­lich bekannte) Kölner Inves­ti­gativ-Journa­list Werner Rügemer hat im Online-Magazin Manova (früher Rubikon) eine große Abrech­nung mit dem „Klima­schutz­fanatiker“ Robert Habeck und anderen angeb­li­chen „Umwelt-Lügnern“ der Grünen veröf­fent­licht. Der Artikel strotzt vor irre­führenden Halb- und Viertel­wahr­heiten; die wenigen wirklich bedenkens­werten Kritik­punkte, etwa beim Thema Grund­wasser, decken Rügemers Stoß­richtung gegen Habeck und den Klima­schutz nicht. Das Ganze scheint von links zu kommen, reiht sich politisch aber ein in den konser­va­tiven Rollback, den die Energie­­wende-Expertin Claudia Kemfert schon 2017 so charak­te­ri­sierte: „Das fossile Imperium schlägt zurück.”

Wenn Antika­pi­ta­listen gegen Habeck und den Klima­schutz zu Felde ziehen weiter­lesen

Stefan Austs Gewaltkultproblem und seine aktuellen Folgen

Der konser­va­tive Journa­list und »Welt«-Herausgeber Stefan Aust lieferte im Februar 2024 eine histo­risch anmutende Abrech­nung mit dem angeb­lich grün träumenden »Ampel­deutsch­land« ab. Der Ökonom und Entwick­lungs­experte Helmut Feder­mann schickte sie mir zu. Der durch und durch konser­vativ und milta­ris­tisch gestrickten Analyse möchte ich bei fast jedem Satz des bekannten Publi­zisten wider­spre­chen. Vier Beispiele aus seiner Einlei­tung:

Stefan Austs Gewalt­kult­pro­blem und seine aktuellen Folgen weiter­lesen

Gibt es einen Wachstumszwang “im Kapitalismus”?

Die Publi­zistin Annette Schlemm sagte in einer Diskus­sion in ihrem »Philo­so­phen­stüb­chen«: Der Kapita­lismus habe vierzig Jahre Zeit gehabt, einen Weg aus dem Ressourcen- und Klima­di­lemma zu finden, und habe ihn nicht gefunden. Ist das nicht merkwürdig formu­liert? Das klingt so, als wäre »der Kapita­lismus« eine Regie­rung, die wir gewählt haben, oder ein Dienst­leister, den wir beauf­tragt haben und bezahlen. Das klingt so, als gäbe es einen Hohen Rat des Kapitals, der regel­mäßig über diese Frage berät und entscheidet. Den gibt es aber nicht. Dazu kommen weitere Einwände: Unter­nehmen und ganze Branchen können auch schrumpfen, ohne zusam­men­zu­bre­chen. Die biolo­gi­sche Metapher ist falsch. Selbst Inves­toren können mit Verlusten leben und haben zuweilen andere Motive als den platten Gewinn. (Foto: Korff)

Gibt es einen Wachs­tums­zwang “im Kapita­lismus”? weiter­lesen

Wer leidet, will daran was ändern.

Das ist mein Antidogma zum Duckmäu­ser­dogma “Die Menschen wollen, dass sich nichts ändert.” Dieses wird oft bemüht, um das sog. NIMBY-Phänomen zu erklären. Doch das wird gerne allzu­sehr verall­ge­mei­nert.

Wer leidet, will daran was ändern. weiter­lesen

Wir wissen es nicht? Doch, oft wissen wir genug, um eingreifen zu können

Pascal Vasselin und Franck Cuveil­lier stellten 2020 im Doku­men­tar­film »La fabrique de l’ignorance« Forschungs­er­geb­nisse der Agnoto­logie vor, die die gezielte Produk­tion von Nicht­wissen, die Verne­be­lung wissen­schaft­li­cher Erkennt­nisse durch Indus­trie­lobbys und konser­va­tive Denkfa­briken unter­sucht. In zahlrei­chen Inter­views mit Psycho­logen, Wissen­schafts­his­to­ri­kern u.a. erleben wir die Kampagne der Chemie­kon­zerne gegen die Entomo­logie (Thema Neoni­ko­tin­oide und Bienen­sterben), die Kampagne der Tabakindu­strie gegen die Krebs­for­schung, die Kampagne von Physi­kern gegen die Klima­for­schung (darunter den »Heidel­berger Appell« von 1992), die Kampagne der Plastik­in­dus­trie und der Toxiko­logen gegen Epide­mio­logen nach, die die Wirkung von endokrinen Disrup­t­oren wie dem Weich­ma­cher Bisphenyl A erforscht haben.

Wir wissen es nicht? Doch, oft wissen wir genug, um eingreifen zu können weiter­lesen

Warum eine Versöhnung mit Trumpisten nicht möglich sein wird

Viele Beobachter fragen sich bang, ob Joe Biden als US-Präsi­dent das heillos zerstrit­tene Land wieder wird einigen können. Geschickt geht er bereits auf die Republi­kaner zu, die sich von dem Rüpel abgesetzt haben. Es ist immer richtig, die gefähr­lichsten Gegner zu isolieren. Doch der Versuch, sich mit dem harten Kern der Trumpisten zu versöhnen, mit jenen 45 % der ‑ump-Wähler, die den Sturm auf das Kapitol befür­worten, ist wohl zum Schei­tern verur­teilt und wäre auch politisch falsch. Aus drei Gründen – oder soll ich sie nach dem Vorbild von Konfu­zius und Sokrates besser als Fragen formu­lieren? Mal auspro­bieren…

Warum eine Versöh­nung mit Trumpisten nicht möglich sein wird weiter­lesen