„Wer arbeiten will, findet auch Arbeit.“ — „Darf ich Sie mal was fragen?“

Wir belauschen ein Leistungsträgergespräch am Nebentisch. Die Herren sind gut gekleidet, gepflegt, kennen die Welt und ihre Pappenheimer und sind sich einig: »Wer arbeiten will, findet auch Arbeit.«

Was soll man darauf antworten? Zum Beispiel das: „Nur darf man nicht gerade zu dem kommen, der diesen Satz spricht; denn der hat keine Arbeit zu vergeben,und der weiß auch niemand zu nennen, der einen Arbeiter sucht.

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Deutscher Exportkult ohne Ende und ohne Grundlage

Der leitende Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung, Alexander Hagelüken (»Lasst uns länger arbeiten!«, 2019) nutzte Ostern 2021 die Coronakrise, um einmal mehr zu behaupten, dass »wir Deutschen» »unsere Wirtschaft» und »unseren Wohlstand« nur durch den Export von Autos, Maschinen, Chemikalien usw. erhalten könnten. Dabei übertrieb er die wirtschaftliche Bedeutung der Exporte.

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„Die Zielscheibe ist eindeutig faschistisch“

Ein Diskurs über Hopp, Hoffenheim und die Dortmunder Ultras

BALLO: Was hältst du von der Aufregung im Fußballzirkus wegen der Beleidigung des Milliardärs Dietmar Hopp? Ist das nicht arg übertrieben, was Rummenigge und andere da jetzt veranstalten?

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Die Widersprüche der Digitalisierungskritiker

Walter van Rossum moderierte im Herbst 2019 eine Sendung der WDR-Reihe »Gutenbergs Welt« über »digitale Ideale«. Schon gleich am Anfang behauptete er, dass es „früher“ noch einen Glauben an den Fortschritt gegeben habe, „heute aber“, wenn es ums Digitale gehe, nur Leerformeln gedroschen würden vom Anschluss, den wir nicht verlieren dürften usw. Offenbar konnte er sich keine utopischen Ziele vorstellen, die mit digitalen Techniken gelöst werden könnten. „Die Wonnen des sich selbst befüllenden Kühlschranks oder die Verheißungen des autonomen Fahrens reißen zwar niemanden vom Hocker, werden aber als Bedingungen unseres Überlebens verkauft.“ Massive Probleme der Digitalisierung würden verschwiegen. Nämlich dass bis zu 50 % der Arbeitsplätze wegrationalisiert werden könnten.

Hmm – haben „früher“ nicht Marxisten stets gejubelt, wenn uns der Fortschritt der Produktivkräfte von der Last sehr vieler Arbeit befreit hat? Bieten diese 50 % nicht die Chance, die Arbeitszeit für alle zu halbieren?

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Warum es links ist, Kohle und Stahl zu verabschieden

Essen machen: Wer am 1. Mai 2019 arbeitete
Wer am 1. Mai 2019 arbeitete

Auf der DGB-Kundgebung zum 1. Mai 2019 in Bielefeld sprach der Aachener Christdemokrat und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, wobei er sich gegen eine große Menge Störer durchsetzen musste. Laschet fühlte sich bemüßigt, zur Forderung der Klimaschützer nach Ausstieg aus der Kohle Stellung zu nehmen. Mehrfach forderte er uns Zuhörer auf, die Interessen der Arbeiter von Stahl-, Aluminium-, Chemie- und Autoindustrie zu beachten. Angesichts unserer roten Fahnen betonte er, es sei nicht links, deren Arbeitsplätze zu gefährden.

Doch, es ist links, ein Stahl- oder Aluminiumwerk für den Klimaschutz zu schließen. Als alter Aachener widerspreche ich Ihnen, Herr Laschet. Warum es links ist, Kohle und Stahl zu verabschieden weiterlesen

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Zwölf Ideen für die Revolution 2019, Baujahr 1919

Im Februar 2019 habe ich, um des hundertsten Jubiläums der deutschen Novemberrevolution zu gedenken, in Bielefeld eine Lesung von Texten damaliger Revolutionärinnen und Revolutionäre veranstaltet. Im Anhang meines Textbuches habe ich versucht, Ideen dieser Menschen auf die heutige Zeit anzuwenden. Herausgekommen sind zwölf Betrachtungen:

  1. Exportweltmeister? Kein Grund, stolz zu sein (nach Kurt Tucholsky)
  2. Arbeiten oder Schuften? (nach Kurt Tucholsky)
  3. Arbeitslose, aufgepasst! (nach Ret Marut al. B. Traven)
  4. Aufrüstung als epileptischer Anfall (nach Hugo Haase)
  5. Gewalt kann nichts Heiliges schaffen (nach Ernst Toller)
  6. Zahlen sind oft ziemlich dumm (nach Alfons Goldschmidt)
  7. Empathie kommt aus der Distanz heraus (nach Gustav Landauer)
  8. Warum der NC eine saublöde Idee ist (nach Kurt Eisner)
  9. Macht ohne Geist ist hohl (nach Klabund)
  10. Revolution ist Schwesternsache (nach Rosa Luxemburg)
  11. Politik ist Kunst, und Kunst ist Radau (nach Kurt Eisner und Richard Huelsenbeck)
  12. Lebenskunst für Regimekritikerinnen (nach Rosa Luxemburg, Erich Mühsam, Hannah Arendt)
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Die Arbeit geht uns aus? Leider nicht.

Das Laster der Faulheit ist nach wie vor verpönt, konstatiert Viola Schenz in der Süddeutschen Zeitung vom 31.12.2017. Das sei ein Anachronismus, sagt sie, denn die künftige Arbeitswelt komme ohne Müßiggang nicht aus: „Arbeit wird weniger. Die Digitalisierung nimmt uns eine Tätigkeit nach der anderen weg“, behauptet sie. Das dürfte ein Fehlschluss sein.

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Geht es auch ohne Kapitalismus?

Der Journalist Markus Reiter hat in einem interessanten Essay im „Publik-Forum“ vom 24.2.2017 argumentiert, dass die Menschheit ohne Kapitalismus nicht leben könne: Nur der Kapitalismus könne die den Menschen angeborene Gier in produktive Bahnen lenken. Ich widerspreche: Der Kapitalismus war nicht immer schon da. Er ist eine Phase, in der der Mensch weit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Geht es auch ohne Kapitalismus? weiterlesen

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Haben die Linken versagt? Steht eine Revolution vor der Tür, und wir haben’s nicht gemerkt?

Nils Markwardt fragte im August 2016 im »Freitag«: »Wo bleibt der Stolz? Wenn die Linken die „kleinen Leute“ noch erreichen wollen, müssen sie ihre Sprache ändern« (Nr. 32, 11.8.2016). Unter Berufung auf Didier Eribons Buch »Rückkehr nach Reims« und Daniele Gigliolis Buch »Die Opferfalle« führt er aus, dass Rechtspopulisten und Faschisten (Donald Trump, Front National, AfD) den Linken vor allem in der klassischen Arbeiterklasse, bei den Industriearbeitern, den Rang ablaufen, weil sie ihnen positive Identifikationsangebote machen, das „völkische Phantasma“, und dabei an ein traditionelles Klassenbewusstsein anknüpfen, das die Linken längst aufgegeben haben. Allerdings sehe ich die potenziell revolutionäre Klasse woanders als Markwardt und Eribon. Haben die Linken versagt? Steht eine Revolution vor der Tür, und wir haben’s nicht gemerkt? weiterlesen

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Löhne müssen sinken, um konkurrenzfähig zu bleiben? Ja: in Südkorea!

Jahrfünftelang predigten uns Hans-Werner Sinn und andere Rote-Laterne-Propheten jeden Tag die Ohren voll: Die Löhne in Deutschland sind viel zu hoch, sie müssen sinken, und die Arbeitszeiten müssen steigen, damit „wir“ (deutschen Aktionäre) auf dem Weltmarkt wieder konkurrenzfähig werden. Andernfalls wandert die gesamte Industrie nach Asien ab. Jetzt erklärte ein südkoreanischer Automanager: Die Arbeitskosten in Südkorea sind viel höher als in Europa. Löhne müssen sinken, um konkurrenzfähig zu bleiben? Ja: in Südkorea! weiterlesen

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