Mit Beethoven gegen die Folter

Künstler können die Welt nicht verändern? Das kann man anders sehen. Der britische Evolutionspsychologe Steven Pinker ging in dem 2011 erschienenen Mammutwerk »Gewalt« der Frage nach, warum sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Europa eine Kultur des Mitleids, der Empathie ausbreitete (damals Empfindsamkeit genannt) und dafür sorgte, dass die Folter stark eingeschränkt wurde, dass die Todesstrafe auf wenige Verbrechen beschränkt wurde, dass öffentliche Hinrichtungen als Schauspiel aus der Mode kamen und dass das vorher übliche Einkerkern von Verschuldeten in Schuldtürmen in vielen Ländern beendet wurde. Pinkers These dazu hört sich gewagt an: Das hing mit der gleichzeitig stark zunehmenden Verbreitung von Romanliteratur und – ich ergänze – thematisch ähnlichen Dramen und Opern zusammen.

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Der umgedrehte Hobbes: Jäger und Sammler waren nicht kriegerisch, sondern solidarisch

Der immer noch häufig zitierte britische Philosoph Thomas Hobbes behauptete 1651 in seinem staatstheorethischen Werk »Leviathan«, die Menschen im Naturzustand hätten einen Krieg aller gegen alle (bellum omnium contra omnes) geführt. Diese These warf eigentlich immer schon die Frage auf, wie die Menschheit diesen lebensgefährlichen Zustand über Zehntausende von Jahren hinweg überlebt haben soll. Dass an Hobbes‘ Theorie und Basta-Dogma nichts dran ist, zeigen neuere Erkenntnisse von Anthropologen und Genetikern, die Carel van Schaik und Kai Michel 2016 zusammentrugen.

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Das Über-Böse ist immer und überall? Einspruch, hohes Gericht!

Rebekka Reinhard näherte sich im Herbst 2017 in der »Hohen Luft« philosophisch dem Hollywoodthema Nr. 1, der Grausamkeit. Eine Mordszene aus Martin Scorseses Spielfilm „Casino“ steht als Prolog Pate. Dabei stellt sie, unter Berufung auf die usamische Politologin Judith N. Shklar (1928-1992), den Hamburger Literaturhistoriker Jan Philipp Reemtsma (*1952) und den französischen Philosophen Henri Bergson (1859-1941), einige Thesen über Gewalt und Grausamkeit auf, deren Dogmencharakter ich kritisieren will. Vor allem diese These: „Grausamkeit von Mensch zu Mensch geschieht ständig und überall, im Krieg, im Alltag, im Privaten wie im Politischen.“ Das Über-Böse ist immer und überall? Einspruch, hohes Gericht! weiterlesen

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Welchen Sinn die Randale in Hamburg hatte – und welche Konsequenzen wir, die pazifistischen Linken, daraus ziehen müssen.

Katja Kipping und andere Linke beklagten sich über die »sinnentleerte Gewalt in Hamburg«. Einige der militanten „Linksradikalen“, die dort den Bürgerkrieg geprobt haben, waren militärisch so gut organisiert, dass die Polizei keine Chance hatte, sie zu stoppen. Details darüber bringt die Reportage »Der Mob« in der »Zeit« vom 15.7.2017. Zugleich ist festzustellen, dass die Botschaften der friedlichen Demonstranten zum G20 in den Medien und sogar in den Diskussionen, die „wir Linken“ jetzt führen, praktisch untergegangen sind. Es ist an der Zeit, an dieser Stelle 1 und 1 zusammenzuzählen: Genau das war offenbar der Sinn der Attacken auf Altona und das Schanzenviertel. Welchen Sinn die Randale in Hamburg hatte – und welche Konsequenzen wir, die pazifistischen Linken, daraus ziehen müssen. weiterlesen

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Randalierer sind Kämpfer? Randalierer sind eine Plage der Menschheit.

Was sind das für Leute, die sich „Autonome“ oder „Anarchisten“ oder „Antikapitalisten“ nennen und Bahnstrecken zerstören, Supermärkte, Friseurläden und beliebige Autos in einem Hamburger Kiez zerstören? Der Kommentator „Lou“ im linksradikalen Magazin Indymedia findet erstaunlich differenzierte Worte darüber. Mir selber fällt da eher Polemisches ein.  Randalierer sind Kämpfer? Randalierer sind eine Plage der Menschheit. weiterlesen

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Irgendwie stimmt’s doch: Der Mensch ist des Menschen Wolf

In meinem dogmenkritischen Buch habe ich das alte Dogma »Homo homini lupus« des britischen Philosophen Thomas Hobbes kritisiert: Denn Hobbes hat offensichtlich innerartliche Aggression (Mensch tötet Mensch) mit zwischenartlichem Jagdverhalten (Wolf tötet Mensch, Mensch tötet Hasen) verwechselt.1 Der usamische Karikaturist Chris Browne hat Hobbes nun jedoch bestätigt – wenn auch ganz anders als Hobbes und seine Nachfolger es verstanden wissen wollten.

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Die Welt ist voller Morden? Nein, die Welt ist voller Küsse.

Massenküssen in Zürich (Youtube-Video)

Thomas Hobbes postulierte im 17. Jahrhundert den Krieg aller gegen alle, der nur von einem absoluten Herrscher unterbunden werden könne. In anderen Gestalten tauchte das gleiche Dogma seitdem immer wieder auf. Etwa in der Form: „Wo man hinschaut: Die Welt brennt an allen Ecken und Enden.“ So geisterte es 2014, hundert Jahre nach Beginn des I. Weltkriegs, durch Kommentare, Moderationen und Facebook-Beiträge.[1] Ich bin fast geneigt, es in dieser Form für einen Irrtum zu halten, den man buchstäblich widerlegen kann. Denn jeden, der mich jetzt ungläubig und kopfschüttelnd anstarrt, bitte ich, das Buch für drei Minuten zuzuklappen und in dieser Zeit alle Länder aufzuzählen, in denen jetzt, also am heutigen Tage, Häuser brennen, weil sie von Soldaten, Milizionären oder Terroristen angezündet wurden.

Ja, meine Liebe, mein Lieber – welche Länder sind das?

Die Welt ist voller Morden? Nein, die Welt ist voller Küsse. weiterlesen

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