Wer ist schuld an kaputten Brücken?

Wie ein wütendes Kind, das ein Spiel­zeug verloren hat, jammert und schreit die Indus­trie- und Handels­kammer Bonn/Rhein-Sieg: „Katastrophe! Oh Staat, so hilf uns doch, die Wirtschaft geht unter.“ Denn die Bonner Nordbrücke ist kaputt und musste für den Verkehr gesperrt werden. Es mag viele Mitschul­dige am Zustand der Bonner Nordbrücke geben, aber unter ihnen ragt einer als Haupt­schul­diger heraus: Das sind die Indus­trie- und Handels­kam­mern (IHK).

Jahrzehn­te­lang haben sie alles dafür getan, den Lkw-Verkehr hemmungslos auszu­weiten, den Autover­kehr hemmungslos auszu­weiten, mit immer mehr immer schwe­reren Autos. Es waren die überschweren Lkw und die überschweren Autos, die in ihrer Masse die Bonner Nordbrücke vorzeitig verschlissen haben. Jahrzehn­te­lang haben die IHK die Trommel für den „Bürokra­tie­abbau“ und für Steuer­sen­kungen für Unter­nehmer gerührt. Staat­liche Brücken­kon­trol­leure, staat­liche Verkehrs­planer gehörten zu den ersten angeb­lich überflüs­sigen und wirtschafts­hem­menden Bürokra­tien, deren Abbau die IHK unent­wegt forderten. Mit Erfolg: Die Kontrollen wurden vernach­läs­sigt, eine regulie­rende Planung der Verkehrs­ströme unter­blieb, so wie die IHK es überall verlangt hatten.

Meine liebe Indus­trie- und Handels­kammer Bonn/Rhein-Sieg! Ist es nicht Zeit, erwachsen zu werden und sich in Selbst­kritik zu üben? Zwar ist mir noch kein Beispiel für eine Selbst­kritik von Indus­trie- und Handels­kam­mern begegnet, aber außer­ge­wöhn­liche Zeiten erfor­dern außer­ge­wöhn­liche Maßnahmen. Dein Auftritt, IHK!

Veröffentlicht von

Jens J. Korff

Historiker, Politologe, Texter, Rheinländer in Westfalen, Sänger, Radfahrer, Wanderer, Naturbursche, Baumfreund, Pazifist

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