Wir wissen es nicht? Doch, oft wissen wir genug, um eingreifen zu können

Pascal Vasselin und Franck Cuveil­lier stellten 2020 im Doku­men­tar­film »La fabrique de l’ignorance« Forschungs­er­geb­nisse der Agnoto­logie vor, die die gezielte Produk­tion von Nicht­wissen, die Verne­be­lung wissen­schaft­li­cher Erkennt­nisse durch Indus­trie­lobbys und konser­va­tive Denkfa­briken unter­sucht. In zahlrei­chen Inter­views mit Psycho­logen, Wissen­schafts­his­to­ri­kern u.a. erleben wir die Kampagne der Chemie­kon­zerne gegen die Entomo­logie (Thema Neoni­ko­tin­oide und Bienen­sterben), die Kampagne der Tabakindu­strie gegen die Krebs­for­schung, die Kampagne von Physi­kern gegen die Klima­for­schung (darunter den »Heidel­berger Appell« von 1992), die Kampagne der Plastik­in­dus­trie und der Toxiko­logen gegen Epide­mio­logen nach, die die Wirkung von endokrinen Disrup­t­oren wie dem Weich­ma­cher Bisphenyl A erforscht haben.

Wir wissen es nicht? Doch, oft wissen wir genug, um eingreifen zu können weiter­lesen

Deutscher Exportkult ohne Ende und ohne Grundlage

Der leitende Wirtschafts­re­dak­teur der Süddeut­schen Zeitung, Alexander Hagelüken (»Lasst uns länger arbeiten!«, 2019) nutzte Ostern 2021 die Corona­krise, um einmal mehr zu behaupten, dass »wir Deutschen» »unsere Wirtschaft» und »unseren Wohlstand« nur durch den Export von Autos, Maschinen, Chemi­ka­lien usw. erhalten könnten. Dabei übertrieb er die wirtschaft­liche Bedeu­tung der Exporte.

Deutscher Export­kult ohne Ende und ohne Grund­lage weiter­lesen

Warum eine Versöhnung mit Trumpisten nicht möglich sein wird

Viele Beobachter fragen sich bang, ob Joe Biden als US-Präsi­dent das heillos zerstrit­tene Land wieder wird einigen können. Geschickt geht er bereits auf die Republi­kaner zu, die sich von dem Rüpel abgesetzt haben. Es ist immer richtig, die gefähr­lichsten Gegner zu isolieren. Doch der Versuch, sich mit dem harten Kern der Trumpisten zu versöhnen, mit jenen 45 % der ‑ump-Wähler, die den Sturm auf das Kapitol befür­worten, ist wohl zum Schei­tern verur­teilt und wäre auch politisch falsch. Aus drei Gründen – oder soll ich sie nach dem Vorbild von Konfu­zius und Sokrates besser als Fragen formu­lieren? Mal auspro­bieren…

Warum eine Versöh­nung mit Trumpisten nicht möglich sein wird weiter­lesen

Der konservative Katechismus des Technokraten Bolz

Der konser­va­tive Medien­wis­sen­schaftler Norbert Bolz agitierte in seinem Buch »Die Avant­garde der Angst« gegen die apokalyp­tische Religion der Klima­schützer. Der »Freitag« veran­stal­tete ein Streit­ge­spräch zwischen Bolz und dem Polito­logen Albrecht von Lucke (3. 12. 2020). Der Fridays-for-Future-Bewegung, speziell Luisa Neubauer warf Bolz vor, als apoka­lyp­ti­sche Sekte aufzu­treten. Er selbst trat für die betonierte Religion der Natur­be­herr­schung ein.

Der konser­va­tive Katechismus des Techno­kraten Bolz weiter­lesen

Flughäfen sind Jobmaschinen? Von wegen!

Flughäfen – oder vielmehr Airports – sind die Marsfelder und Circi Maximi der Beton­zeit; die kriti­sche Leserin verzeihe mir den affek­tierten, aber korrekten latei­ni­schen Plural von Circus Maximus. Während Wichtig­tuer und Touristen auf dem Corso des Termi­nals Schau laufen, treten glitzernde Flugdra­chen auf der endlos weiten Ebene der Start- und Lande­bahnen zu rituellen Turnieren an. Die Desti­na­tionen auf der großen Tafel beschwören, wie einst die Chöre altgrie­chi­scher Theater, die Vision herauf, als sei die gesamte bekannte und unbekannte Welt an diesem heiligen Ort gegen­wärtig.

Was rede ich da? Flughäfen sind natür­lich das Ergebnis der reinen ökono­mi­schen Vernunft. Das behauptet jeden­falls der Kölner Verkehrs­wis­sen­schaftler Herbert Baum in zahlrei­chen Gutachten, die immer wieder zitiert werden, um den weiteren Ausbau von Flughäfen zu recht­fer­tigen.

Flughäfen sind Jobma­schinen? Von wegen! weiter­lesen

Die Seuche als historisches Ereignis (Stand 1. Juli 2020)

Von Jens Jürgen Korff
Der Streit mit Leuten, die einen „Corona-Fake“ sehen, auch der Streit um die Einschät­zung der Opfer­zahlen, drängt mich dazu, als Histo­riker eine Einschät­zung der strit­tigen Fragen vorzu­nehmen. Dabei geht es nach Lage der Dinge zunächst um die histo­ri­sche Entwick­lung der Seuche und der Gegen­maß­nahmen, vor allem des großen Lockdown im März 2020. Als histo­ri­sches Ereignis hat die Seuche zusammen mit der Kontakt­sperre natür­lich auch länger­fris­tige Folgen, die Histo­riker analy­sieren müssen – aber dazu ist es zu früh.

Die Seuche als histo­ri­sches Ereignis (Stand 1. Juli 2020) weiter­lesen

„Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind.“ Ei, das ist vorbei.

Die beliebte Redensart ertönte jahrzehn­te­lang gebets­müh­len­artig immer dann, wenn irgendwo ein neuer Götzen­dienst der deutschen Beschleu­ni­gungs­kirche eröffnet wurde – etwa zur Inter­na­tio­nalen Automobil-Ausstel­lung 2011. Gepaart oft mit Auspuff­dogma Nummer 2: „Jeder siebte deutsche Arbeits­platz hängt von der Autoin­dus­trie ab.“ In neuerer Zeit liest man aber auch Entgeg­nungen, etwa hier bei auto​.de vom 30.9.2017, denn Markt­stu­dien sprechen schon lange eine andere Sprache.

„Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind.“ Ei, das ist vorbei. weiter­lesen

Öko ist nur etwas für Reiche? Ganz im Gegenteil.

Treffen sich zwei Hummer­fahrer an der Tankstelle. Sagt der eine: „Hast du schon gehört? Der Schulze hat seine Karre verkauft und fährt jetzt mit dem Fahrrad zur Arbeit.“ Sagt der andere: „Hat der im Lotto gewonnen?“ „Wieso?“ „Na, es heißt doch: Öko ist nur für Reiche.“

Öko ist nur etwas für Reiche? Ganz im Gegen­teil. weiter­lesen

„Die Grünen streben eine Ökodiktatur an.“ Wer soll das glauben?

Oder, eine Nummer kleiner: „Die Ökos wollen uns bevor­munden“ oder „Die Grünen sind eine Verbots­partei“. Letzteres behaup­tete Focus​.de zuletzt am 24.10.2019. Als Beweis schlechthin für diese steile These gilt seit dem Sommer­loch 2013 der ominöse „Veggieday“, den ein CDU-Politiker, die Frank­furter Allge­meine und die Bild-Zeitung damals im Wahlpro­gramm der Grünen als Forde­rung entdeckten. Um ein Signal gegen den enormen Fleisch­konsum der Deutschen zu setzen, sollten öffent­liche Kantinen nach dem damaligen Willen der grünen Bundes­de­le­gierten an einem von sieben Tagen der Woche nur vegeta­ri­sche Gerichte anbieten. Journa­listen und politi­sche Gegner fertigten daraus den Popanz eines Versuchs, allen Deutschen vorzu­schreiben, was sie zu essen hätten.

„Die Grünen streben eine Ökodik­tatur an.“ Wer soll das glauben? weiter­lesen

Warum Rockefeller? Warum Gates? Hetzer und ihre Hexen

Im April und Mai 2020 eskalierten plötz­lich die Proteste gegen das Seuchen­re­gime der Bundes­re­gie­rung – seltsa­mer­weise genau in dem Moment, als es zu bröckeln begann und die ersten Locke­rungen wirksam wurden. Oder auch nicht seltsam: Schon so manche Revolte wurde nicht von der Tyrannei eines Regimes ausge­löst, sondern von seinem Wanken. Bürger­rechtler, Anarchisten, Impfgeg­ne­rinnen, Konser­va­tive und Sektie­re­rinnen gruppierten sich zur Phalanx gegen zwei gemein­same Erzfeinde: Chris­toph Drosten und Bill Gates. Die neue avirale Szene griff auf Helle­barden und Vorder­lader der alt-antise­mi­ti­schen Armee zurück.

Warum Rocke­feller? Warum Gates? Hetzer und ihre Hexen weiter­lesen