In der von Birgit Ebel angezettelten Kopftuchdebatte wurde auf eine ziemlich indiskutable Tirade von Anabel Schunke in der konservativen Postille »Tichys Einblick« (15.4.2016) verwiesen. Schon der Titel enthält eine schlichte negative Meinungsthese (»Das Kopftuch ist nicht bloß ein Stück Stoff«), die nicht einen Beleg dafür anführt, wer die gegenteilige Meinung überhaupt vertreten hat. Im gleichen Stil geht es durch den ganzen Artikel weiter, ein Basta-Dogma nach dem anderen: »Der Islam sexualisiert den Alltag der Gläubigen und das mehr als jede Werbung mit halbnackten Frauen. Frauen können nichts zur Ehre einer muslimischen Familie beitragen. Sie können sie nur beschmutzen.« Lauter steile Thesen, die ohne Belege wertlos bleiben. „Das Kopftuch ist ein Mittelfinger.“ Mag sein. Piercings aber auch. weiterlesen
Kategorie: Menschen
„Das Kopftuch erzeugt eine Geschlechter-Apartheid.“ Wirklich?
Von Birgit Ebel und Carolin Meyer habe ich mich in eine Kopftuchdebatte verwickeln lassen. Dabei hat mir Carolin verschiedene Artikel empfohlen, darunter ein Interview des Deutschlandfunks mit der aus Jugoslawien stammenden Aktivistin Zana Ramadani (7.4.2017). Birgits Ausgangsfrage, entnommen dem Spiegel, war: Kann eine Feministin Kopftuch tragen? Ich hatte mit Ja geantwortet. Der Fall Ramadani lädt zur Replik ein: Kann eine Feministin CDU-Mitglied sein? Jaa – wohl auch das. Ob ich mein erstes Ja aufrecht erhalten kann, steht allerdings in Frage. „Das Kopftuch erzeugt eine Geschlechter-Apartheid.“ Wirklich? weiterlesen
Finde die Wahrheit über Barschel, Diana, Möllemann und Haider
„Uwe Barschel wurde ermordet.“ Prinzessin Diana, Jürgen Möllemann und Jörg Haider natürlich auch. Oder: „Die wahren Hintergründe der Ereignisse sind geheim, und alle ‚offiziellen Versionen‘ sind gelogen.“ Gegen nervige Verschwörungstheorien dieser Art hilft eine mittelalterliche Waffe – nämlich Ockhams Rasiermesser. (Dieser Artikel beruht auf einem Kapitel in meinem Buch.)
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Das Über-Böse ist immer und überall? Einspruch, hohes Gericht!
Rebekka Reinhard näherte sich im Herbst 2017 in der »Hohen Luft« philosophisch dem Hollywoodthema Nr. 1, der Grausamkeit. Eine Mordszene aus Martin Scorseses Spielfilm „Casino“ steht als Prolog Pate. Dabei stellt sie einige Thesen über Gewalt und Grausamkeit auf, deren Dogmencharakter ich kritisieren will. Vor allem diese These: „Grausamkeit von Mensch zu Mensch geschieht ständig und überall, im Krieg, im Alltag, im Privaten wie im Politischen.“ Das Über-Böse ist immer und überall? Einspruch, hohes Gericht! weiterlesen
Randalierer sind Kämpfer? Randalierer sind eine Plage der Menschheit.
Was sind das für Leute, die sich “Autonome” oder “Anarchisten” oder “Antikapitalisten” nennen und Bahnstrecken zerstören, Supermärkte, Friseurläden und beliebige Autos in einem Hamburger Kiez zerstören? Der Kommentator “Lou” im linksradikalen Magazin Indymedia findet erstaunlich differenzierte Worte darüber. Mir selber fällt da eher Polemisches ein. Randalierer sind Kämpfer? Randalierer sind eine Plage der Menschheit. weiterlesen
Warum Conchita Wurst die Geschlechterrollen stabilisiert
Nach einer groß angelegten Umfrage der »Zeit«, der sog. ZEIT-Vermächtnis-Studie von 2016, wollen sich 3,3 % der Deutschen, also rund 2,5 Millionen Menschen, nicht als Mann oder als Frau definieren lassen. Julia Friedrichs behauptete in der Titelgeschichte des Zeit-Magazins vom 14.6.2017, diese Menschen wandelten „im Niemandsland zwischen den Geschlechtern“ (was ich weiter unten bestreite). Kann man aus dem Treiben dieser beachtlichen Minderheit schließen, dass die Einteilung der Menschen in zwei Geschlechter künstlich sei und sich auflösen lasse? Warum Conchita Wurst die Geschlechterrollen stabilisiert weiterlesen
Geht es auch ohne Kapitalismus?
Der Journalist Markus Reiter hat in einem interessanten Essay im “Publik-Forum” vom 24.2.2017 argumentiert, dass die Menschheit ohne Kapitalismus nicht leben könne: Nur der Kapitalismus könne die den Menschen angeborene Gier in produktive Bahnen lenken. Ich widerspreche: Der Kapitalismus war nicht immer schon da. Er ist eine Phase, in der der Mensch weit unter seinen Möglichkeiten bleibt. Geht es auch ohne Kapitalismus? weiterlesen
“Er sagt, was er denkt. Er ist authentisch.” Er heißt Trump.
Es soll ja ein Wert für sich sein, wenn jemand sagt, was er denkt. Oder wenn jemand authentisch ist. Das sagt auch die gut organisierte Propagandatruppe “Women vote Trump”. Ich zitiere von ihrer Startseite: “Er sagt, was er denkt. Er ist authentisch.” Er heißt Trump. weiterlesen
“Sommerzeit ist unsinnig und alle sind dagegen.”
Das Dogma, das fast alle Medien (einschließlich der taz) anlässlich der Zeitumstellung Ende März 2016 wiederholten, beruht zum Teil auf der fragwürdigen Darstellung von Umfragezahlen. Vor allem aber wird der entscheidende Nutzen der Sommerzeit konsequent verschwiegen.
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Irgendwie stimmt’s doch: Der Mensch ist des Menschen Wolf
In meinem dogmenkritischen Buch habe ich das alte Dogma »Homo homini lupus« des britischen Philosophen Thomas Hobbes kritisiert: Denn Hobbes hat offensichtlich innerartliche Aggression (Mensch tötet Mensch) mit zwischenartlichem Jagdverhalten (Wolf tötet Mensch, Mensch tötet Hasen) verwechselt.1 Der usamische Karikaturist Chris Browne hat Hobbes nun jedoch bestätigt – wenn auch ganz anders als Hobbes und seine Nachfolger es verstanden wissen wollten.
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