War Macrons Vorstoß zum Regenwald kolonialistisch? Nein, wenn…

…ähnliche Vorstöße auch umgekehrt möglich sind, von Latein­ame­rika nach Europa. Emmanuel Macron hatte zum brennenden brasi­lia­ni­schen Regen­wald spontan gesagt: „Unser Haus brennt!“ Er hat als franzö­si­scher Staats­prä­si­dent ein Wir benutzt, das die ganze Mensch­heit umfasst; ein Appell, den wir sonst vor allem von inter­na­tio­nalen Umwelt­organisationen kennen. Sein brasi­lia­ni­scher Wider­sa­cher Jair Bolso­naro empörte sich wie einst Erich Honecker über eine „Einmi­schung in innere Angelegen­heiten Brasi­liens“. Vielleicht zurecht?

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Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt? Wer ist »Wir«?

Dieses Duckmäu­ser­dogma findet sich zum Beispiel in einer Rede des CDU-Politi­kers Fried­rich Merz im November 2009 und in einer Rede der Bundes­kanz­lerin Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag 2008. In meiner Kritik im Buch habe ich vor allem den manipu­la­tiven Gebrauch des Perso­nal­pro­no­mens »Wir« kriti­siert:

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Zwölf Ideen für die Revolution 2019, Baujahr 1919

Im Februar 2019 habe ich, um des hundertsten Jubiläums der deutschen Novem­ber­re­vo­lu­tion zu gedenken, in Biele­feld eine Lesung von Texten damaliger Revolu­tio­nä­rinnen und Revolu­tio­näre veran­staltet. Im Anhang meines Textbu­ches habe ich versucht, Ideen dieser Menschen auf die heutige Zeit anzuwenden. Heraus­ge­kommen sind zwölf Betrach­tungen:

  1. Export­welt­meister? Kein Grund, stolz zu sein (nach Kurt Tucholsky)
  2. Arbeiten oder Schuften? (nach Kurt Tucholsky)
  3. Arbeits­lose, aufge­passt! (nach Ret Marut al. B. Traven)
  4. Aufrüs­tung als epilep­ti­scher Anfall (nach Hugo Haase)
  5. Gewalt kann nichts Heiliges schaffen (nach Ernst Toller)
  6. Zahlen sind oft ziemlich dumm (nach Alfons Goldschmidt)
  7. Empathie kommt aus der Distanz heraus (nach Gustav Landauer)
  8. Warum der NC eine saublöde Idee ist (nach Kurt Eisner)
  9. Macht ohne Geist ist hohl (nach Klabund)
  10. Revolu­tion ist Schwes­tern­sache (nach Rosa Luxem­burg)
  11. Politik ist Kunst, und Kunst ist Radau (nach Kurt Eisner und Richard Huelsen­beck)
  12. Lebens­kunst für Regime­kri­ti­ke­rinnen (nach Rosa Luxem­burg, Erich Mühsam, Hannah Arendt)
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Flüchtlinge: Müssen wir deshalb neue Häuser bauen?

In Biele­feld und anderswo machen die Bauämter Druck: Wir brauchen jede Menge Neubau­ge­biete, um die ganzen Flücht­linge unter­zu­bringen. Der Archi­tek­tur­kri­tiker Daniel Fuhrhop ist anderer Ansicht. In seinem Buch “Willkom­mens­stadt” zeigt er auf, wie wir die Immigranten nutzen können, um vorhan­dene Bauten und Infra­struk­turen besser auszu­nutzen.

Welchen Sinn die Randale in Hamburg hatte – und welche Konsequenzen wir, die pazifistischen Linken, daraus ziehen müssen.

Katja Kipping und andere Linke beklagten sich über die »sinnent­leerte Gewalt in Hamburg«. Einige der militanten „Links­ra­di­kalen“, die dort den Bürger­krieg geprobt haben, waren militä­risch so gut organi­siert, dass die Polizei keine Chance hatte, sie zu stoppen. Details darüber bringt die Repor­tage »Der Mob« in der »Zeit« vom 15.7.2017. Zugleich ist festzu­stellen, dass die Botschaften der fried­li­chen Demons­tranten zum G20 in den Medien und sogar in den Diskus­sionen, die „wir Linken“ jetzt führen, praktisch unter­ge­gangen sind. Es ist an der Zeit, an dieser Stelle 1 und 1 zusam­men­zu­zählen: Genau das war offenbar der Sinn der Attacken auf Altona und das Schan­zen­viertel. Welchen Sinn die Randale in Hamburg hatte – und welche Konse­quenzen wir, die pazifis­ti­schen Linken, daraus ziehen müssen. weiter­lesen

Randalierer sind Kämpfer? Randalierer sind eine Plage der Menschheit.

Was sind das für Leute, die sich “Autonome” oder “Anarchisten” oder “Antika­pi­ta­listen” nennen und Bahnstre­cken zerstören, Super­märkte, Friseur­läden und belie­bige Autos in einem Hamburger Kiez zerstören? Der Kommen­tator “Lou” im links­ra­di­kalen Magazin Indymedia findet erstaun­lich diffe­ren­zierte Worte darüber. Mir selber fällt da eher Polemi­sches ein.  Randa­lierer sind Kämpfer? Randa­lierer sind eine Plage der Mensch­heit. weiter­lesen

Geht es auch ohne Kapitalismus?

Der Journa­list Markus Reiter hat in einem inter­es­santen Essay im “Publik-Forum” vom 24.2.2017 argumen­tiert, dass die Mensch­heit ohne Kapita­lismus nicht leben könne: Nur der Kapita­lismus könne die den Menschen angebo­rene Gier in produk­tive Bahnen lenken. Ich wider­spreche: Der Kapita­lismus war nicht immer schon da. Er ist eine Phase, in der der Mensch weit unter seinen Möglich­keiten bleibt. Geht es auch ohne Kapita­lismus? weiter­lesen

Haben die Linken versagt? Steht eine Revolution vor der Tür, und wir haben’s nicht gemerkt?

Nils Markwardt fragte im August 2016 im »Freitag«: »Wo bleibt der Stolz? Wenn die Linken die „kleinen Leute“ noch errei­chen wollen, müssen sie ihre Sprache ändern« (Nr. 32, 11.8.2016). Unter Berufung auf Didier Eribons Buch »Rückkehr nach Reims« und Daniele Gigliolis Buch »Die Opfer­falle« führt er aus, dass Rechts­po­pu­listen und Faschisten (Donald Trump, Front National, AfD) den Linken vor allem in der klassi­schen Arbei­ter­klasse, bei den Indus­trie­ar­bei­tern, den Rang ablaufen, weil sie ihnen positive Identi­fi­ka­ti­ons­an­ge­bote machen, das „völki­sche Phantasma“, und dabei an ein tradi­tio­nelles Klassen­be­wusst­sein anknüpfen, das die Linken längst aufge­geben haben. Aller­dings sehe ich die poten­ziell revolu­tio­näre Klasse woanders als Markwardt und Eribon. Haben die Linken versagt? Steht eine Revolu­tion vor der Tür, und wir haben’s nicht gemerkt? weiter­lesen

„Die dummen Verbraucher sind schuld.“ Einspruch, Hohes Gericht!

Ob Tierquä­lerei in der Landwirt­schaft, ob Kinder­ar­beit bei der Textil­pro­duk­tion oder Ausbeu­tung bei Amazon, ob Klima­wandel oder Meeres­ver­schmut­zung – an allem diesem Unheil soll ja immer einer schuld sein: der Verbrau­cher. Die Vertreter dieses Dünkel­dogmas ignorieren, dass unter­schied­liche Menschen auch da, wo es um Verant­wor­tung geht, unter­schied­liche Priori­täten setzen. Außerdem ignorieren sie die Rolle des Staates, der Demokratie. „Die dummen Verbrau­cher sind schuld.“ Einspruch, Hohes Gericht! weiter­lesen

Die Abgründe der Geht-nicht-gibt’s‑nicht-Kultur

Der VW-Diesel-Skandal ist offenbar ein Muster­bei­spiel dafür, wie das Dogma und die Haltung „Geht nicht gibt’s nicht“ einen Konzern ins Verderben führen kann. Und nicht nur einen Konzern; sondern auch, was gerne vergessen wird, die ganze Gesell­schaft. Die Grenz­werte für Stick­oxide, die die VWs in Usa und Europa drastisch überschritten haben, sind ja keine Erfin­dung fanati­scher Umwelt­schutz-Bürokraten, sondern sie kommen daher, dass Stick­oxide gesund­heits­schäd­lich sind. Die VW-Diesel­autos gefährden also die Gesund­heit von Millionen Menschen. Inzwi­schen proble­ma­ti­sieren Unter­neh­mens­be­rater eine Form von Reali­täts­ver­lust bei Top-Managern, die Betrugs­fälle wie bei VW provo­ziert.  Die Abgründe der Geht-nicht-gibt’s‑nicht-Kultur weiter­lesen