Die Seuche als historisches Ereignis (Stand 1. Juli 2020)

Von Jens Jürgen Korff
Der Streit mit Leuten, die einen „Corona-Fake“ sehen, auch der Streit um die Einschät­zung der Opfer­zahlen, drängt mich dazu, als Histo­riker eine Einschät­zung der strit­tigen Fragen vorzu­nehmen. Dabei geht es nach Lage der Dinge zunächst um die histo­ri­sche Entwick­lung der Seuche und der Gegen­maß­nahmen, vor allem des großen Lockdown im März 2020. Als histo­ri­sches Ereignis hat die Seuche zusammen mit der Kontakt­sperre natür­lich auch länger­fris­tige Folgen, die Histo­riker analy­sieren müssen – aber dazu ist es zu früh.

Die Seuche als histo­ri­sches Ereignis (Stand 1. Juli 2020) weiter­lesen

Der Mythos einer Weltregierung – zerlegt in acht Sätzen

Von Jens Jürgen Korff

Die Corona­krise hat eine Flut von Äußerungen ausge­löst, in denen einzelne Demagogen wie Ken Jebsen und Torsten Engel­brecht behaupten, die Seuche sei ein Fake und diene nur dazu, eine “Neue Weltord­nung” zu errichten, in der Bill Gates oder andere die komplette Mensch­heit ihrer Diktatur unter­werfen. Doch ist, mit etwas histo­ri­schem und polito­lo­gi­schem Verständnis betrachtet, eine dikta­to­ri­sche Weltre­gie­rung ein Ding der Unmög­lich­keit. Aus fünf Gründen.

Der Mythos einer Weltre­gie­rung – zerlegt in acht Sätzen weiter­lesen

Warum Rockefeller? Warum Gates? Hetzer und ihre Hexen

Im April und Mai 2020 eskalierten plötz­lich die Proteste gegen das Seuchen­re­gime der Bundes­re­gie­rung – seltsa­mer­weise genau in dem Moment, als es zu bröckeln begann und die ersten Locke­rungen wirksam wurden. Oder auch nicht seltsam: Schon so manche Revolte wurde nicht von der Tyrannei eines Regimes ausge­löst, sondern von seinem Wanken. Bürger­rechtler, Anarchisten, Impfgeg­ne­rinnen, Konser­va­tive und Sektie­re­rinnen gruppierten sich zur Phalanx gegen zwei gemein­same Erzfeinde: Chris­toph Drosten und Bill Gates. Die neue avirale Szene griff auf Helle­barden und Vorder­lader der alt-antise­mi­ti­schen Armee zurück.

Warum Rocke­feller? Warum Gates? Hetzer und ihre Hexen weiter­lesen

Jesus und Judas – wer hat wen verraten?

Am Karfreitag starb nicht nur Jesus von Nazaret am Kreuz, sondern auch Judas Iskariot am Baum. Da Jesus ihn als Verräter und Teufel beschimpft (Johannes 6, 70) und dem Verräter den Unter­gang prophe­zeit hat (Lukas 22, 22), haben wir uns angewöhnt, diese Sicht­weise zu übernehmen und den Stricktod des Judas als gerechte Strafe zu bewerten. Die Verrä­ter­figur Judas wurde zum Bestand­teil des christ­lich motivierten Antise­mi­tismus, des Hasses auf die Juden als »Gottes­mörder« und Lumpen. Mein Lieblings-Evange­list Tim Rice übernahm diese Vorur­teile nicht und ließ 1970 in der Rockoper »Jesus Christ Super­star« Judas ausführ­lich selber zu Wort kommen.

Jesus und Judas – wer hat wen verraten? weiter­lesen

Rundstedt: ein preußischer Mörder

An der Gedenk­stätte im alten belgi­schen Städt­chen Stavelot, unweit der Abtei, habe ich während einer Exkur­sion am 19. März Rosen nieder­ge­legt. Im Dezember 1944 ermor­deten Soldaten der deutschen Waffen-SS während der Ardennen-Offen­sive dort 133 Bürge­rinnen und Bürger. In Malmedy ermor­dete die gleiche Truppe 82 gefangen genom­mene ameri­ka­ni­sche Soldaten.

Rundstedt: ein preußi­scher Mörder weiter­lesen

Mit Beethoven gegen die Folter

Künstler können die Welt nicht verän­dern? Das kann man anders sehen. Der briti­sche Evolu­ti­ons­psy­cho­loge Steven Pinker ging in dem 2011 erschie­nenen Mammut­werk »Gewalt« der Frage nach, warum sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhun­derts in Europa eine Kultur des Mitleids, der Empathie ausbrei­tete (damals Empfind­sam­keit genannt) und dafür sorgte, dass die Folter stark einge­schränkt wurde, dass die Todes­strafe auf wenige Verbre­chen beschränkt wurde, …

Foto: Gefan­ge­nen­chor zur Première einer Auffüh­rung der Oper Fidelio am 28. Juni 2014 im Gefäng­nishof der Gedenk­stätte Zucht­haus Cottbus. Von Nurfoto – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://​commons​.wikimedia​.org/​w​/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​c​u​r​i​d​=​3​3​6​5​5​014 

Mit Beethoven gegen die Folter weiter­lesen

Fünf Thesen zu #Thüringen

Das hyste­ri­sche Geschrei um die Ereig­nisse in Thüringen überschritt im Februar 2020 sämtliche Lärmschutz-Grenz­werte. Geht das Ganze auch eine Nummer bedäch­tiger? Ich versuch’s mal mit fünf Klarstel­lungen, die mir wichtig erscheinen.

  1. Kemme­rich ist kein Faschist, sondern ein Liberaler. Seine Wahl ist keine Macht­er­grei­fung. Er trachtet niemandem nach dem Leben.
  2. Höcke ist zwar ein Faschist, aber die AfD als Ganzes ist keine faschis­ti­sche Partei, sondern eine natio­nal­kon­ser­va­tive.
  3. Natio­nal­kon­ser­vativ zu sein wie die AfD ist schlimm genug. Alle Naziver­gleiche sind falsch, weil sie die Naziver­bre­chen verharm­losen. Die AfD ist vielmehr mit der Deutsch­na­tio­nalen Volks­partei (DNVP) zu verglei­chen.
  4. Der Landtag wurde so gewählt, wie er ist. Das haben wir als Demokraten zu respek­tieren. Die Wähler haben gespro­chen.
  5. Eine Auflö­sung des Landtags wäre eine Dummheit, weil bei Neuwahlen die AfD wahrschein­lich noch stärker wird. Das bitte aus Weimar lernen!
Fünf Thesen zu #Thüringen weiter­lesen

Ist Heimat eine faschistische Idee? Nee.

Thomas Ebermann und Thorsten Mense traten im Mai 2019 im Jugend­zen­trum FlaFla in Herford auf mit ihrem kabaret­tis­tisch-kommu­nis­ti­schen Programm „Heimat – eine Besich­ti­gung des Grauens“. Ebermanns Buch zum Thema heißt „Linke Heimat­liebe. Eine Entwur­ze­lung“. Ein bisschen Kritik.

Ist Heimat eine faschis­ti­sche Idee? Nee. weiter­lesen

Zwölf Ideen für die Revolution 2019, Baujahr 1919

Im Februar 2019 habe ich, um des hundertsten Jubiläums der deutschen Novem­ber­re­vo­lu­tion zu gedenken, in Biele­feld eine Lesung von Texten damaliger Revolu­tio­nä­rinnen und Revolu­tio­näre veran­staltet. Im Anhang meines Textbu­ches habe ich versucht, Ideen dieser Menschen auf die heutige Zeit anzuwenden. Heraus­ge­kommen sind zwölf Betrach­tungen:

  1. Export­welt­meister? Kein Grund, stolz zu sein (nach Kurt Tucholsky)
  2. Arbeiten oder Schuften? (nach Kurt Tucholsky)
  3. Arbeits­lose, aufge­passt! (nach Ret Marut al. B. Traven)
  4. Aufrüs­tung als epilep­ti­scher Anfall (nach Hugo Haase)
  5. Gewalt kann nichts Heiliges schaffen (nach Ernst Toller)
  6. Zahlen sind oft ziemlich dumm (nach Alfons Goldschmidt)
  7. Empathie kommt aus der Distanz heraus (nach Gustav Landauer)
  8. Warum der NC eine saublöde Idee ist (nach Kurt Eisner)
  9. Macht ohne Geist ist hohl (nach Klabund)
  10. Revolu­tion ist Schwes­tern­sache (nach Rosa Luxem­burg)
  11. Politik ist Kunst, und Kunst ist Radau (nach Kurt Eisner und Richard Huelsen­beck)
  12. Lebens­kunst für Regime­kri­ti­ke­rinnen (nach Rosa Luxem­burg, Erich Mühsam, Hannah Arendt)
Zwölf Ideen für die Revolu­tion 2019, Baujahr 1919 weiter­lesen

Das Ende ist nah. Und wehe, wenn nicht!

Im August 2017 veröf­fent­lichte die Bertels­mann-Stiftung ihre Religi­ons­mo­nitor-Studie. Dort kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass sich die meisten Muslime in Deutsch­land nach einigen Jahren, oder wenn sie hier geboren wurden, ziemlich gut ins deutsche Bildungs­system und ins deutsche Berufs­leben integrieren. Die Meldungen darüber lösten, wie Said Rezek in der taz am 30.1.2018 rekapi­tu­lierte, keine Erleich­te­rung, sondern eine Empörungs- und Hasswelle aus. „Lügen­wissenschaft!“ schrien die Deutsch­nationalen allent­halben und griffen auf Goebbels‘ alte Geheim­waffe zurück, das gefälschte Churchill-Zitat: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“ Das christ­liche Abend­land geht unter, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche! Was ist da los? Das Ende ist nah. Und wehe, wenn nicht! weiter­lesen