Von Jens Jürgen Korff
Der Streit mit Leuten, die einen „Corona-Fake“ sehen, auch der Streit um die Einschätzung der Opferzahlen, drängt mich dazu, als Historiker eine Einschätzung der strittigen Fragen vorzunehmen. Dabei geht es nach Lage der Dinge zunächst um die historische Entwicklung der Seuche und der Gegenmaßnahmen, vor allem des großen Lockdown im März 2020. Als historisches Ereignis hat die Seuche zusammen mit der Kontaktsperre natürlich auch längerfristige Folgen, die Historiker analysieren müssen – aber dazu ist es zu früh.
Kategorie: Geschichte
Der Mythos einer Weltregierung – zerlegt in acht Sätzen
Von Jens Jürgen Korff
Die Coronakrise hat eine Flut von Äußerungen ausgelöst, in denen einzelne Demagogen wie Ken Jebsen und Torsten Engelbrecht behaupten, die Seuche sei ein Fake und diene nur dazu, eine “Neue Weltordnung” zu errichten, in der Bill Gates oder andere die komplette Menschheit ihrer Diktatur unterwerfen. Doch ist, mit etwas historischem und politologischem Verständnis betrachtet, eine diktatorische Weltregierung ein Ding der Unmöglichkeit. Aus fünf Gründen.
Der Mythos einer Weltregierung – zerlegt in acht Sätzen weiterlesenWarum Rockefeller? Warum Gates? Hetzer und ihre Hexen
Im April und Mai 2020 eskalierten plötzlich die Proteste gegen das Seuchenregime der Bundesregierung – seltsamerweise genau in dem Moment, als es zu bröckeln begann und die ersten Lockerungen wirksam wurden. Oder auch nicht seltsam: Schon so manche Revolte wurde nicht von der Tyrannei eines Regimes ausgelöst, sondern von seinem Wanken. Bürgerrechtler, Anarchisten, Impfgegnerinnen, Konservative und Sektiererinnen gruppierten sich zur Phalanx gegen zwei gemeinsame Erzfeinde: Christoph Drosten und Bill Gates. Die neue avirale Szene griff auf Hellebarden und Vorderlader der alt-antisemitischen Armee zurück.
Warum Rockefeller? Warum Gates? Hetzer und ihre Hexen weiterlesenJesus und Judas – wer hat wen verraten?
Am Karfreitag starb nicht nur Jesus von Nazaret am Kreuz, sondern auch Judas Iskariot am Baum. Da Jesus ihn als Verräter und Teufel beschimpft (Johannes 6, 70) und dem Verräter den Untergang prophezeit hat (Lukas 22, 22), haben wir uns angewöhnt, diese Sichtweise zu übernehmen und den Stricktod des Judas als gerechte Strafe zu bewerten. Die Verräterfigur Judas wurde zum Bestandteil des christlich motivierten Antisemitismus, des Hasses auf die Juden als »Gottesmörder« und Lumpen. Mein Lieblings-Evangelist Tim Rice übernahm diese Vorurteile nicht und ließ 1970 in der Rockoper »Jesus Christ Superstar« Judas ausführlich selber zu Wort kommen.
Jesus und Judas – wer hat wen verraten? weiterlesenRundstedt: ein preußischer Mörder

An der Gedenkstätte im alten belgischen Städtchen Stavelot, unweit der Abtei, habe ich während einer Exkursion am 19. März Rosen niedergelegt. Im Dezember 1944 ermordeten Soldaten der deutschen Waffen-SS während der Ardennen-Offensive dort 133 Bürgerinnen und Bürger. In Malmedy ermordete die gleiche Truppe 82 gefangen genommene amerikanische Soldaten.
Rundstedt: ein preußischer Mörder weiterlesenMit Beethoven gegen die Folter
Künstler können die Welt nicht verändern? Das kann man anders sehen. Der britische Evolutionspsychologe Steven Pinker ging in dem 2011 erschienenen Mammutwerk »Gewalt« der Frage nach, warum sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Europa eine Kultur des Mitleids, der Empathie ausbreitete (damals Empfindsamkeit genannt) und dafür sorgte, dass die Folter stark eingeschränkt wurde, dass die Todesstrafe auf wenige Verbrechen beschränkt wurde, …
Foto: Gefangenenchor zur Première einer Aufführung der Oper Fidelio am 28. Juni 2014 im Gefängnishof der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus. Von Nurfoto – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33655014
Fünf Thesen zu #Thüringen
Das hysterische Geschrei um die Ereignisse in Thüringen überschritt im Februar 2020 sämtliche Lärmschutz-Grenzwerte. Geht das Ganze auch eine Nummer bedächtiger? Ich versuch’s mal mit fünf Klarstellungen, die mir wichtig erscheinen.
- Kemmerich ist kein Faschist, sondern ein Liberaler. Seine Wahl ist keine Machtergreifung. Er trachtet niemandem nach dem Leben.
- Höcke ist zwar ein Faschist, aber die AfD als Ganzes ist keine faschistische Partei, sondern eine nationalkonservative.
- Nationalkonservativ zu sein wie die AfD ist schlimm genug. Alle Nazivergleiche sind falsch, weil sie die Naziverbrechen verharmlosen. Die AfD ist vielmehr mit der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) zu vergleichen.
- Der Landtag wurde so gewählt, wie er ist. Das haben wir als Demokraten zu respektieren. Die Wähler haben gesprochen.
- Eine Auflösung des Landtags wäre eine Dummheit, weil bei Neuwahlen die AfD wahrscheinlich noch stärker wird. Das bitte aus Weimar lernen!
Ist Heimat eine faschistische Idee? Nee.
Thomas Ebermann und Thorsten Mense traten im Mai 2019 im Jugendzentrum FlaFla in Herford auf mit ihrem kabarettistisch-kommunistischen Programm „Heimat – eine Besichtigung des Grauens“. Ebermanns Buch zum Thema heißt „Linke Heimatliebe. Eine Entwurzelung“. Ein bisschen Kritik.
Ist Heimat eine faschistische Idee? Nee. weiterlesenZwölf Ideen für die Revolution 2019, Baujahr 1919
Im Februar 2019 habe ich, um des hundertsten Jubiläums der deutschen Novemberrevolution zu gedenken, in Bielefeld eine Lesung von Texten damaliger Revolutionärinnen und Revolutionäre veranstaltet. Im Anhang meines Textbuches habe ich versucht, Ideen dieser Menschen auf die heutige Zeit anzuwenden. Herausgekommen sind zwölf Betrachtungen:
- Exportweltmeister? Kein Grund, stolz zu sein (nach Kurt Tucholsky)
- Arbeiten oder Schuften? (nach Kurt Tucholsky)
- Arbeitslose, aufgepasst! (nach Ret Marut al. B. Traven)
- Aufrüstung als epileptischer Anfall (nach Hugo Haase)
- Gewalt kann nichts Heiliges schaffen (nach Ernst Toller)
- Zahlen sind oft ziemlich dumm (nach Alfons Goldschmidt)
- Empathie kommt aus der Distanz heraus (nach Gustav Landauer)
- Warum der NC eine saublöde Idee ist (nach Kurt Eisner)
- Macht ohne Geist ist hohl (nach Klabund)
- Revolution ist Schwesternsache (nach Rosa Luxemburg)
- Politik ist Kunst, und Kunst ist Radau (nach Kurt Eisner und Richard Huelsenbeck)
- Lebenskunst für Regimekritikerinnen (nach Rosa Luxemburg, Erich Mühsam, Hannah Arendt)
Das Ende ist nah. Und wehe, wenn nicht!
Im August 2017 veröffentlichte die Bertelsmann-Stiftung ihre Religionsmonitor-Studie. Dort kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass sich die meisten Muslime in Deutschland nach einigen Jahren, oder wenn sie hier geboren wurden, ziemlich gut ins deutsche Bildungssystem und ins deutsche Berufsleben integrieren. Die Meldungen darüber lösten, wie Said Rezek in der taz am 30.1.2018 rekapitulierte, keine Erleichterung, sondern eine Empörungs- und Hasswelle aus. „Lügenwissenschaft!“ schrien die Deutschnationalen allenthalben und griffen auf Goebbels‘ alte Geheimwaffe zurück, das gefälschte Churchill-Zitat: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“ Das christliche Abendland geht unter, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche! Was ist da los? Das Ende ist nah. Und wehe, wenn nicht! weiterlesen
